StZ: Manfred Seyferle informiert laufend über die Pflanzenwelt

Der Pensionär begleitet Sportbegeisterte seit Jahrzehnten zu seinen Lieblingsorten im Talwald - und wartet dabei mit mancherlei Geschichten auf

NÜRTINGEN. Das Laufen ist zur Volksbewegung geworden. Aber wer will schon immer nur auf seiner Hausstrecke trainieren? Wir haben zur Vorbereitung auf den Stuttgarter-Zeitung-Lauf am 5. Juni ein paar Lauftreffleiter begleitet - und stellen in einer Serie deren Lieblingsstrecken vor.

Von Martin Tschepe

Manfred Seyferle liebt den Talwald. Seit dreißig Jahren kommt der Leiter des Lauftreffs der TG Nürtingen regelmäßig zum Sportplatz am Ortsrand von Nürtingen-Reudern. 1975 hat der heute 66-jährige Rentner den Lauftreff ins Leben gerufen. An den Trainingstagen versammeln sich oft mehr als 200 Männer und Frauen beim Start, der älteste ist 91, die jüngsten sind Anfang 20.



Wer sich dem pensionierten Maschinenbauingenieur anschließt, der bekommt während des Joggens durch den Forst nicht nur gesagt, wie oft er rennen sollte, um gesund und fit zu bleiben. Seyferle erteilt seinen Begleitern nebenbei auch ein Stündchen Pflanzenkunde. Dann schwärmt er zum Beispiel vom Grün des Bärlauchs und vom Duft der Blumen. Er benennt die Bäume, und manchmal erzählt er auch von seinen Begegnungen mit Rehen und anderen Waldtieren.



Die Lieblingsrunde des Lauftreffleiters beginnt am Sportplatz, von dort geht es hinein in den Wald. Ein paar Regentropfen fallen vom Himmel, und Seyferle sagt, das sei doch ¸¸ganz toll". In ¸¸seinem" Wald gefällt diesem naturbegeisterten Mann fast immer fast alles. Auch an heißen Sommertagen kommt er gerne in den Forst, im Schatten der Blätter läuft es sich dann unbeschwert.

Die Laufrunde führt links ab in Richtung Bürgerseen. Ein Schild weist den Weg. ¸¸Herrlich, alles so grün", sagt Seyferle und strahlt über das ganze Gesicht, so wie ein Bub, wenn das Lieblingsschulfach Turnen auf dem Stundenplan steht. Der Mann treibt seit mehr als fünf Jahrzehnten Sport. Er leitet neben dem Nürtinger Lauftreff auch noch jenen in seinem Wohnort Beuren, und er betreut nach wie vor den Fitnessraum seines ehemaligen Arbeitgebers. Der nimmermüde Ruheständler sitzt im Ausschuss für Breitensport des Württembergischen Leichtathletikverbands, er hat schon mehr als 1000 Lauftreffbegleiter ausgebildet und 36-mal das Sportabzeichen gemacht. Ohne körperliche Ertüchtigung könnte dieser Mann vermutlich gar nicht leben. Vom Hochleistungssport hält er allerdings nicht sonderlich viel. Der Lauftreffleiter hat noch nie an einem Halbmarathon- oder einen Marathonrennen teilgenommen. Früher stand ab und zu ein 10-Kilometer-Volkslauf auf den Programm. Aber das ist schon Jahre her.

Stopp auf einer Kreuzung. Hier wird ein bisschen Gymnastik gemacht. ¸¸Die Gelenke schmieren", sagt Seyferle. Der Sportler sollte spüren, ¸¸dass Muskeln da sind". Nach den Übungen geht es zurück auf den Waldweg, bergab und unten dann nach rechts ab. Hier versinken die Füße im Matsch. Jetzt über eine Kreuzung und geradeaus weiter. Noch einmal steil hinunter und die Bärenseen sind erreicht. In der Gaststätte am ersten See kann man ausgezeichnet speisen, erklärt der Herr über dieses Revier. In einem der beiden Seen tummeln sich im Sommer die Badenden. Der andere ist für Schwimmer tabu.

Immer wieder deutet Seyferle auf Blumen, Büsche und Bäume am Wegrand und nennt deren Namen. Er erzählt und erzählt. Zum Beispiel von sozialen Engagement seines Lauftreffs. Der Club und einige Partner veranstalten einen Lauf in Nürtingen, jeder absolvierte Kilometer wird von Sponsoren mit 50 Cent bezuschusst. Die Gesamtsumme wird dann Jahr für Jahr einer karitativen Einrichtung gespendet. Und dann sind da noch die segensreichen Pflanzaktionen des Lauftreffs. ¸¸Wir haben ein gutes Verhältnis zum Förster", sagt Seyferle.

Bei den Seen geht"s recht ab und einen Pfad bergauf, der einem winzigen Bachlauf folgt. Hufabdrücke zeugen davon, dass hier nicht nur die Jogger unterwegs sind. An einer Kreuzung nochmals rechts ab - links käme man nach Tiefenbach. Am rechten Wegrand taucht eine Freifläche auf, die Bäume auf diesem Areal hat der Winterorkan Lothar im Jahr 1999 umgeworfen. Etwas weiter vorne steht ebenfalls rechts am Wegrand eine Käferfalle. Jetzt erreicht Seyferle auf seiner Lieblingsrunde eine T-Kreuzung, hier scharf rechts und dann geradeaus einen Buckel hinunter. Ein paar hundert Meter weiter geht es nochmals links ab und dann auf direktem Weg zurück zum Sportplatz. Puh - die knapp sechs Kilometer lange Runde ist geschafft.

Der Lauftreffleiter ist nicht mehr so schnell unterwegs wie früher. Meist geht er sogar am Stock. Um die lädierten Knie zu schonen, bevorzugt der Rentner seit einiger Zeit das Nordic Walking. Kaputtgemacht hat er sich die Knie bereits in der Jugend. ¸¸Wir sind mit liederlichen Turnschuhen gerannt", sagt er, ¸¸und haben uns nie warm gemacht." Davor warnt Seyferle seine Schützlinge jetzt zweimal pro Woche im Training.

Damit endet die Serie. Weitere Informationen über die beschriebene Strecke und den Lauftreff Nürtingen gibt es bei Manfred Seyferle unter der Telefonnummer 0 70 25/42 22.

Erschienen sind in der Reihe: ¸¸Jeden Tag nimmt sich Rocco Amato eine Stunde für das Laufen" (2 Mai); ¸¸Von der Krautschüssel über die Ewigkeitsallee" (9. Mai); ¸¸Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung" (17. Mai); ¸¸Nur der Lärm der Flugzeuge erinnert an die Zivilisation" (23. Mai).

Artikel aus der Stuttgarter Zeitung als PDF




Hinweis: Dies ist ein aktueller Bericht vom 30.05.2005!

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