Die Teilnehmer schätzen die Atmosphäre und Organisation
STUTTGART. Auch beim 13. Stuttgarter-Zeitung-Lauf wird es wohl wieder einen neuen Teilnehmerrekord geben. ¸¸Der Lauf verfügt über enormes Potenzial", sagt Holger Braun, der in seiner Diplomarbeit die größte Breitensportveranstaltung in der Region analysiert hat.
Von Stefanie Keppler
25 000 - das ist eine stolze Zahl. 25 000 Teilnehmer peilt Gerhard Müller in diesem Jahr für den 13. Stuttgarter-Zeitung-Lauf an. Der Geschäftsführer des Württembergischen Leichtathletik-Verbandes (WLV), der den Lauf veranstaltet, hat sich viel vorgenommen. Und die bisherigen 5200 Anmeldungen bestätigen seine Vorstellungen. ¸¸Wir liegen gut im Trend", sagt Müller zufrieden, ¸¸und wenn wir nicht irgendwann einen Anmeldestopp ausrufen, würden wir wahrscheinlich noch darüber kommen." Die 25 000 Teilnehmer würden eine Steigerung um etwa zehn Prozent bedeuten: Im vergangenen Jahr gingen 21 980 Teilnehmer in Stuttgart an den Start. Die Zahlen zeigen: Der Stuttgarter-Zeitung-Lauf ist weiter auf Rekordkurs und bei den Läufern äußerst beliebt.

Das zeigt auch eine Diplomarbeit, die an der Fachhochschule Heilbronn von Professor Thomas Bezold betreut wurde. Der Betriebswirtschaftsabsolvent Holger Braun hat eine Onlinebefragung unter den Teilnehmern des letztjährigen StZ-Laufs gemacht und insgesamt 1500 Fragebögen ausgewertet.
Der Lauf ist für die Stuttgarter gemacht - dieses Fazit zieht Holger Braun in seiner Arbeit. ¸¸85 Prozent der Teilnehmer kommen aus einem Umkreis von 50 Kilometern", sagt der 30-Jährige aus Filderstadt, ¸¸und man merkt es: die Leute sind mit Leib und Seele dabei." Der StZ-Lauf ist die bedeutendste und größte Laufveranstaltung in der Region - und die Zahl der Erstteilnehmer entsprechend hoch. Knapp die Hälfte der Befragten haben zum ersten Mal am Stuttgarter-Zeitung-Lauf teilgenommen. Braun sagt: ¸¸Diese Zahl zeigt, dass die Veranstaltung ein enorm hohes Potenzial an Laufteilnehmern besitzt, was ja auch die steigenden Zahlen beweisen." Einer der Gründe für die zahlreichen Debütanten ist sicherlich die flache und schnelle Strecke.
Während viele Veranstalter mit stagnierenden Teilnehmerzahlen kämpfen, können die Stuttgarter Jahr für Jahr neue Rekorde verzeichnen. 2005 kamen insgesamt 19 435 Teilnehmer ins Ziel, allein 9678 Läufer im Halbmarathon. Damit ist der StZ-Lauf der größte Halbmarathon Süddeutschlands und der zweitgrößte Deutschlands hinter Berlin, wo im vergangenen Jahr 12 300 Läufer ins Ziel kamen. Wenn es nach dem Willen Müllers geht, soll Stuttgart bald die Nummer eins werden. Allerdings nicht in diesem Jahr: ¸¸Bei 12 000 ist unser Limit erreicht", sagt er, ¸¸wir wollen die Qualität ja erhalten."
Und die ist hoch, das zeigt auch die braunsche Analyse. Die von dem Studenten befragten Teilnehmer äußerten sich sehr zufrieden mit dem StZ-Lauf, besonders was die Stimmung und Atmosphäre entlang der Strecke und die Organisation des Veranstalters betrifft. Kritik gab es allerdings bei der Getränkeausgabe. Vor allem die an den Verpflegungsständen ausgegebenen Plastikbecher verärgerten viele Läufer. Auf Grund des Materials brachen die Becher oft auseinander. Der WLV verhandelt derzeit mit dem Hersteller und verspricht das Problem zu beheben. Auch die Wartezeiten bei den Verpflegungsständen im Ziel sorgten für Verstimmung. Angesichts des späten Termins am 23. Juli und der zu erwartenden Hitze muss sich der WLV auch da etwas einfallen lassen.
Das größte Ärgernis für die Läufer ist aber weiterhin die (zu) enge Strecke zu Beginn des Halbmarathons und die daraus resultierende Drängelei. Die ersten fünf Kilometer können viele Teilnehmer nur im Schritttempo absolvieren - schnelleren Läufern ist es kaum möglich, langsamere zu überholen. ¸¸Bei den steigenden Teilnehmerzahlen ist das ein großes Problem", sagt Braun. Doch auch hier verspricht der Veranstalter Besserung: Es werden je nach Leistungsstärke der Läufer vier Startblöcke eingerichtet, die in zeitlichen Abständen von etwa drei Minuten gestartet werden.
Ganz oben auf der Wunschliste der Athleten steht aber etwas anderes: eine Strecke mitten durch die Innenstadt. Das würde den Lauf noch attraktiver machen. ¸¸Die Gespräche mit der Stadt sind im Fluss", sagt Müller. Als Test fungiert ein Volkslauf im September im Rahmen des Leichtathletik-Weltfinales im Daimlerstadion. ¸¸Das wird unser Versuchsballon", sagt Müller. Der StZ-Lauf ist für die Stadt inzwischen ein wichtiger weicher Standortfaktor. Darauf verweist auch Holger Braun in seiner Diplomarbeit. Er beziffert den geschätzten Gesamtumsatz - ohne den Werbewert der medialen Berichterstattung - auf rund vier Millionen Euro mit einem resultierenden Steueraufkommen von etwa 500 000 Euro. Noch eine stolze Zahl.
www.stuttgarter-zeitung.de/stz-lauf
Artikel aus der Stuttgarter Zeitung als PDF